Die ehemalige Lauterbacher Sankt Wendelskapelle - Geschichte

 

im Jahr 1936 gefunden wurde. In der Nähe der Lauterbacher Wendelskapelle vermuten einige Historiker auch ein spätmittelalterliches Leprosenhaus, also ein Hospital für Leprakranke, was aber nicht bewiesen ist.
Die Gestalt der Kirche beschreibt Karl Siegmar Baron von Galéra in seiner Chronik „Lauterbach in Hessen – Geschichte einer Stadt und ihrer Bürgerschaft“ aus dem Jahr 1966 folgendermaßen:
Es war ein gotischer Fachwerkbau mit dreiseitigem Chorabschluß und einer auf beiden Seiten abgeschrägten Decke. Der Boden war mit Sandsteinplatten belegt, unter ihnen lagen zahlreiche Gräber. Die Kanzel befand sich an der Nordseite. Ein Dach­reiter diente als Glockentürmchen. Vermutlich wurde die Kirche am 20. Oktober geweiht, dem Wendelinstage.“
Der Standort der kleinen Kirche am Kreuzweg, das war die ursprüngliche Bezeichnung der heutigen Bahnhofstraße, lag etwa 200 Meter außerhalb der damaligen Stadtmauer, östlich des Untertores mit seinem mächtigen Turm. Heute steht an dieser Stelle, also an der Ecke Bahnhofstraße/Poststraße, nur etwa 30 Meter weiter nördlich, der „Altbau“ des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums, welcher im Jahr 1902 als „Höhere Bürgerschule“ errichtet wurde.
Der Kreuzweg führte damals vom Untertor 600 Meter Richtung Nordosten aus der


.                                                                     Der Standort der Kapelle im Jahr 2008

Stadt heraus und verband Lauterbach mit der mittelalterlichen Fulda-Marburger Straße. In gerader Richtung führte der Kreuzweg dann weiter nach Schlitz und Hersfeld. Kurz hinter der Stadtgrenze aber führte sie erst noch direkt am damaligen Richtplatz vorbei, der sich oberhalb des heutigen Gebietes „Am Stück“ befand.
Im ausgehenden Mittelalter wandelte sich dann die Bestimmung der kleinen Kapelle. Es war die Zeit der Reformation, die ab dem Jahr 1526 durch Freiherr Hermann IV Riedesel eingeführt wurde. Das als Prozessionskapelle errichtete Gotteshaus wurde zur Totenkirche des neu angelegten Friedhofs, der erstmals in der Stadtrechnung von 1569/70 erwähnt wurde. Sie löste damit die alte gotische Liebfrauenkirche innerhalb der Stadtmauer ab, deren Friedhof vermutlich wegen der vielen Pesttoten, zu klein geworden war.
Kaum 100 Jahre später wütete in Deutschland der 30jährige Krieg und verschonte auch Lauterbach nicht. Das Ende der kleinen Kapelle war damit leider auch besiegelt. Sie wurde im Jahr 1646 völlig zerstört.

Im Jahr 1667 beschloss der Rat der Stadt dann, die Wendelskirche wieder aufzubauen. Aus Kostengründen konnte der Neubau allerdings nur als Fachwerkkonstruktion ausgelegt werden. Und selbst um diesen finanzieren zu können, musste man eine Bestattungsgebühr für den Friedhof einführen. Fünf Gulden für einen Erwachsenen und 2 Gulden 50 für ein Kind mussten künftig für eine Bestattung bezahlt werden.
Im April 1668 stimmten die Bürger dann auch für den Aufbau eines Turmes, falls genug Geld vorhanden sei. Leider reichte es aber nur für ein kleines Türmchen, genauer gesagt für einen Dachreiter, der auf das Dach aufgesetzt wurde. Lauterbach und seine Bürger hatten damals, wie das gesamte Land, eine kaum vorstellbar harte Zeit zu durchstehen. So musste eben auch bei dem Gotteshaus am Nötigsten gespart werden. Und so konnte im September 1676 die fehlende Glocke auch nur durch eine Spende von fünfzehn Gulden des Amtmannes Johann Jost Hartmann angeschafft werden.
Doch die Sparmaßnahmen an dem Gebäude machten sich schon im Jahr 1679 bemerkbar. Umfangreiche Renovierungsarbeiten waren nötig, die insgesamt 150 Gulden kosten sollten. Da das erwirtschaftete Kapital durch die Bestattungen noch nicht ausreichte, diese Kosten zu decken, musste die Stadt Lauterbach aushelfen.

Knapp 80 Jahre später sollte die kleine Sankt Wendelskapelle dann aber in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Geschehnisse rücken. Nachdem nämlich am 8. August 1762 die alte gotische Stadtkirche auf dem Lauterbacher Marktplatz, die so genannte „Liebfrauenkirche“, während eines Gottesdienstes einzustürzen drohte, wagten sich die Lauterbacher Bürger nicht mehr in diesen fast 400 Jahre alten Steinbau. Nun war man froh, dass man in die Kleine Kapelle vor der Stadt