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Die ehemalige Lauterbacher Sankt
Wendelskapelle - Augenzeugenbericht |
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Nun liefen und rannten
alle aus einer Ecke in
die andere und über
Stühle und Bänke. Ein
entsetzliches und
unglaubliches Getöse
entstand in der Kirche.
Die Kinder fingen ein
erbärmliches Geheul an,
sowohl aus Furcht, als
auch vor Schmerzen durch
das Gedränge. Viele
verletzten sich durch
das Pressen und Schieben
in den Kirchentüren.
Andere sind zu Boden
gestürzt und wurden
überrannt. Wieder Andere
hatten Schuhe, Kappen,
Hüte und andere Dinge
verloren. Einer sprang
hier, ein anderer dort
von einer Höhe oder
einem Stand herab.
Der Älteste der riedeselschen
Familie, der |
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Gottesdienst, denn das
Abendmahl war noch zu
halten.
Die anderen
aber, welche nach Hause
gelaufen waren, kamen
nicht zurück. Sehr
viele, besonders
schwache und alte
Menschen, waren dermaßen
erschrocken, dass es
viel Zeit und Medizin
erforderte, sie wieder
zu beruhigen.
Nicht wenige hatten in
der Meinung, die Kirche
sei eingestürzt, Angst
und Schrecken
verbreitet.
Sie waren panisch
durch die Straßen
gelaufen und erzählten
händeringend allen, die
sie fragten was passiert
sei, „die Kirch ist
eingefallen, ach, die
Kirch ist eingefallen“.
Diese liefen jetzt zur
der Kirche, um ihre |
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aus Laubach, der andere
aus Gedern, angefordert, um
die Kirche in
Augenschein zu nehmen.
Die Betstunden
wurden indessen weiter
in der Kirche gehalten.
Weil aber nur sehr
wenige Gläubige kamen,
wurden sie ab dem 11.
August im Rathaus, auf
dem so genannten Tanz-Boden
abgehalten.
Am 12. August kamen die
Baumeister und
überprüften die ganze
Kirche von unten bis
oben, zwei Tage lang.
Sie konnten aber, bei
aller Anstrengung nichts
finden, woher das vorher
gehörte Grollen und
Knattern hätte kommen
können. Sie konnten auch
nicht angeben, |
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damalige Erbmarschall, welcher
mit zwei seiner Vettern
in der Kirche war und
dieses Unglück mit
ansah, kam im Haupttor
der Kirche dermaßen ins
Gedränge, dass er umfiel
und unter die heraus
rennende Menschen-masse
geriet. Inspektor
Schmitt aus Gießen,
verließ die Kanzel,
kehrte aber wieder
zurück, weil auch er
nicht aus der Kirche
heraus kam. Der Pfarrer
stellte sich neben den
großen Altar und
richtete mit gen Himmel
gerichteten Augen und
ringenden Händen ein
Gebet an Gott. Danach
fragte er eine Gruppe
von Gläubigen nach der
Ursache der Panik. Er
konnte aber keine in
Erfahrung bringen.
Das „Gerassel“
hatten wohl nicht alle
gehört, und so war die
eigentliche Ursache der
Panik nicht gleich
auszumachen. |
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Grundriss der alten Kirche am
Marktplatz von Johannes
Schweikert |
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wodurch ein Einsturz des
Baues zu vermuten sei.
Ausgenommen zweier
Pfeiler, welche nach
ihren Angaben ein Zoll
aus dem „Perpendikel“,
also aus dem Lot,
gewichen waren. Das
wiederum verursachte
einen Sprung in einem
Gewölbebogen, der darauf
ruhte. Diese Seite der
Kirche befanden Sie
schließlich als
gefährlich und
baufällig, da sie
bereits mit hölzernen
Balken gestützt war.
Da die Kosten für
ein erforderliches
eisernes Gehänge,
welches das komplette
steinerne Gewölbe hätte
stützen müssen, und die
Neuerrichtung der
baufällige Seite sehr
beträchtlich gewesen
wären, plante man eher
einen Neubau als Ersatz
der alten Kirche. Und
weil sehr viele Leute,
„Vornehme wie Geringe“,
sich nicht mehr trauten,
die Kirche zu |
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So kam es auch,
dass einige sagten, es
würde brennen. Andere
meinten, die Stadt würde
von eingedrungenen
Soldaten geplündert,
denn die Zeiten waren
gar kriegerisch. Kurz
gesagt, es war ein
solches Getöse, Angst,
Schrecken, Furcht und
jämmerliches Heulen,
dass einem die Haare zu
Berge standen und jeder
Angst um sein Leben
hatte. Viele riskierten
dabei wirklich ihr
Leben, um andere Leben
zu retten.
Als man jedoch
erkannte dass die Kirche
nicht einstürzte,
beruhigte sich der
Aufruhr. Die, die in der
Kirche geblieben waren,
beendeten noch den |
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Angehörigen tot oder
zerschmettert
vorzufinden oder
womöglich noch retten zu
können. Mit einem Wort,
der Jammer und die Not
hatte sich über die
ganze Stadt ausgebreitet
und niemand konnte eine
sichtbare Ursache
angeben, denn die Kirche
blieb unbeweglich
stehen.
Doch dabei blieb es
nicht, denn nach
beendetem Gottesdienst
wurde die Kirche durch
Zimmerleute überprüft.
Da nichts Schadhaftes
gefunden werden konnte,
fand am Nachmittag ein
weiterer Gottesdienst
statt, welcher aber sehr
schlecht besucht war.
Daraufhin wurden noch am
gleichen Tag zwei
Baumeister, einer |
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betreten, wurde ab dem
folgenden Sonntag der
Gottesdienst in der
Toten- oder sogenannten
St. Wendels Kirche
abgehalten. Die
Betstunden und
Hochzeiten fanden im
Rathaus statt. Die
Schulkinder wurden zu
Hause getauft. Da
auch die St. Wendels
Kirche für eine so
zahlreiche Gemeinde zu
klein war, wurden nicht
nur neue Bänke
angeschafft. Man
teilte die Gemeinde in
zwei Gruppen ein. Ein
Gottesdienst fand dann
vormittags, ein zweiter
nachmittags statt.
Während dieser Zeit
suchte man nach dem
geschicktesten und
erfahrensten Baumeister. |
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